Hölzerne Buchstabenkacheln mit der Aufschrift DISINFORMATION" sind in einer geraden Linie auf rotem Hintergrund angeordnet und spiegeln Online-Trends wie ADHS Diagnose TikTok" und die Verbreitung von Fehlinformationen über psychische Gesundheit wider.

TikTok verbreitet falsche Informationen zu ADHS


TikTok als Quelle für medizinische Informationen – eine Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Fakten


In der heu­ti­gen digi­ta­len Welt haben sozia­le Medi­en wie Tik­Tok einen festen Platz in unse­rem All­tag ein­ge­nom­men. Neben Unter­hal­tung und Life­style-The­men wer­den die Platt­for­men jedoch auch zuneh­mend als Infor­ma­ti­ons­quel­le für gesund­heit­li­che Fra­gen genutzt. Eine aktu­el­le Stu­die der Uni­ver­si­ty of Bri­tish Colum­bia in Van­cou­ver zeigt, dass die dort ver­brei­te­ten Inhal­te zur Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit-/Hy­per­ak­ti­vi­täts­stö­rung (ADHS) häu­fig feh­ler­haft sind und Nut­zer irre­füh­ren können.

Fehlerhafte Darstellung von ADHS-Symptomen 

Die Wis­sen­schaft­ler haben für ihre Unter­su­chung zunächst die belieb­te­sten Tik­Tok-Vide­os zum The­ma ADHS ana­ly­siert. Dabei zeig­te sich, dass einer­seits die über­wie­gen­de Mehr­heit der Vide­os (92 von 98) aus­schließ­lich Aus­sa­gen über ADHS-Sym­pto­me the­ma­ti­sier­te, jedoch kaum Infor­ma­tio­nen zur The­ra­pie oder Ein­ord­nung der Beschwer­den lieferte.

Alar­mie­rend ist, dass mehr als die Hälf­te (51,3%) der dar­ge­stell­ten Sym­pto­me von kli­ni­schen Psy­cho­lo­gen als nicht ADHS-spe­zi­fisch ein­ge­stuft wur­den. Nur in 4% der Fäl­le wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nicht alle Betrof­fe­nen die­sel­ben Sym­pto­me zei­gen, und ledig­lich 1,4% der Vide­os wie­sen dar­auf hin, dass die­se Sym­pto­me auch bei Men­schen ohne ADHS auf­tre­ten können.

Statt­des­sen bil­de­ten vie­le der Vide­os (68,5%) eher nor­ma­le mensch­li­che Erfah­run­gen ab, die bei meh­re­ren Stö­run­gen (42%) oder sogar typisch für ande­re Erkran­kun­gen (18,2%) sein kön­nen. Auch bei den Behand­lungs­emp­feh­lun­gen stimm­te nur etwas mehr als die Hälf­te mit den evi­denz­ba­sier­ten Erkennt­nis­sen über­ein, da vie­le auf per­sön­li­chen Erfah­run­gen basierten.

Konsequenzen für Nutzer mit und ohne ADHS-Diagnose

In einer zwei­ten Stu­die wur­den 843 Teil­neh­mer mit unter­schied­li­chen Hin­ter­grün­den gebe­ten, die am besten und am schlech­te­sten von Exper­ten bewer­te­ten Vide­os zu bewer­ten. Dabei zeig­te sich ein über­ra­schen­des Ergebnis:

Per­so­nen mit einer offi­zi­el­len ADHS-Dia­gno­se bewer­te­ten die von Exper­ten als qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig ein­ge­stuf­ten Vide­os deut­lich schlech­ter als die von Exper­ten als man­gel­haft ein­ge­stuf­ten Inhal­te. Beson­ders auf­fäl­lig war dies bei Teil­neh­mern, die sich selbst eine ADHS-Dia­gno­se gestellt hat­ten: Sie schätz­ten die qua­li­ta­tiv min­der­wer­ti­gen Vide­os als hilf­rei­cher ein und emp­fah­len sie häu­fi­ger wei­ter – unab­hän­gig von der objek­ti­ven Qualität.

Das bedeu­tet, dass durch die Fehl­in­for­ma­tio­nen einer­seits die Gefahr besteht, dass sich Men­schen selbst die Dia­gno­se ADHS ver­pas­sen, obwohl dies über­haupt nicht zutrifft, basie­rend auf der Ver­brei­tung von Sym­pto­men, die über­haupt nicht zu ADHS gehö­ren. Und ande­rer­seits wer­den Vide­os offen­sicht­lich nicht mit der nöti­gen Skep­sis über­prüft, son­dern auf der Basis einer Lai­en-Ein­schät­zung als kor­rekt ange­nom­men und wei­ter ver­brei­tet. Dar­aus kann eine Nega­tiv­spi­ra­le ent­ste­hen, die den Fokus auf Fehl­in­for­ma­tio­nen verstärkt.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Die­se Ergeb­nis­se ver­deut­li­chen, dass die zuneh­men­de Nut­zung sozia­ler Medi­en wie Tik­Tok als Infor­ma­ti­ons­quel­le für Gesund­heits­the­men mit Vor­sicht zu genie­ßen ist. Gera­de bei kom­ple­xen Erkran­kun­gen wie ADHS besteht die Gefahr, dass Nut­zer durch feh­ler­haf­te oder unvoll­stän­di­ge Dar­stel­lun­gen in die Irre geführt wer­den. Ein Abgleich mit qua­li­fi­zier­ten Therapeut:innen lohnt sich auf jeden Fall. 

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